Haus & Grund fordert mehr Transparenz bei kommunalen Abfallgebühren

Die Müllgebühren in Deutschlands Großstädten unterscheiden sich weiterhin erheblich. Das
zeigt das heute vorgestellte Müllgebührenranking, das das Institut der deutschen Wirtschaft
Köln im Auftrag von Haus & Grund Deutschland erstellt hat. Untersucht wurden die
Abfallgebühren der nach Einwohnerzahl 100 größten Städte Deutschlands. Günstigste Stadt
im Ranking ist Flensburg. Dort zahlt eine vierköpfige Musterfamilie für einen 14-tägigen
Vollservice 162,60 Euro im Jahr. Es folgen Nürnberg und Frankfurt am Main. Am teuersten
ist Bergisch Gladbach: Dort fallen für denselben Musterhaushalt im Teilservice 477,84 Euro
an – fast dreimal so viel wie in Flensburg. Zu den teuersten Städten zählen außerdem Lünen
und Leverkusen.

„Müllgebühren sind Wohnkosten. Wenn kommunale Abgaben steigen, trifft das Eigentümer
ebenso wie Mieter. Die Kommunen müssen erklären, warum die Gebühren vor Ort so hoch
sind – und wo sie besser, effizienter und bürgerfreundlicher werden können“, sagte Haus &
Grund-Präsident Kai Warnecke. „Das Ranking zeigt: Niedrige Gebühren sind möglich.
Andere Städte sollten sich daran messen lassen.“ Im Durchschnitt der 100 untersuchten Städte
sind die Abfallgebühren im Müllgebührenindex in den vergangenen vier Jahren um rund 13
Prozent auf 351 Euro gestiegen. Nur in 11 Städten fallen für den Musterhaushalt geringere
reale Jahresgebühren an als vor vier Jahren. In zwei Städten blieben die Preise konstant, in 87
Städten sind sie gestiegen. In 20 Städten zahlt der Musterhaushalt heute mindestens 50 Euro
mehr pro Jahr.

Haus & Grund kritisiert neben der Höhe der Gebühren vor allem die mangelnde Transparenz
vieler kommunaler Gebührensysteme. Abfuhrrhythmen, Servicegrade, Hol- und Bringsysteme
sowie Mindestvolumina unterscheiden sich stark. Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist
daher oft kaum nachvollziehbar, ob die Gebühren vor Ort angemessen sind.
„Seit zehn Jahren erstellen wir das Müllgebührenranking, um für Transparenz zu werben. Ein
Abfallgebührenrechner wäre ein großer Schritt hin zu mehr Transparenz. Wir können leider
nicht feststellen, dass immer mehr Städte solche Rechner anbieten“, sagte Hanno
Kempermann vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln.
Haus & Grund fordert die Städte und Gemeinden auf, Gebührenordnungen verständlicher zu
gestalten, digitale Gebührenrechner einzuführen und die Ursachen hoher Gebühren
transparent offenzulegen. „Nur wer vergleichen kann, kann Missstände erkennen und
Veränderungen einfordern“, so Warnecke.

Hintergrund: Für das Ranking wurde ein vierköpfiger Musterhaushalt betrachtet, bestehend
aus zwei Erwachsenen und zwei Kindern. Berücksichtigt wurden Restmüll, Biomüll,
Sperrmüll und Altpapier. Da sich die kommunalen Systeme im Abfuhrrhythmus und im
Servicegrad stark unterscheiden, wurden die Ergebnisse in einem Müllgebührenindex
zusammengeführt.